Was Koliken in der Kindheit mit Migräne im Erwachesenalter zu tun haben

Es ist ein Bild, das man nur allzu gut kennt: eine entnervte Mutter bzw. ein sich die Haare raufender Vater bemühen sich vergebens, ihr lauthals schreiendes Baby zu beruhigen, das offensichtlich ohne jeden konkreten Anlass wie besessen vor sich hin brüllt und jede Charmeoffensive vonseiten es gut meinender Außenstehender mit einem noch lauter werdenden Gebrüll quittiert. Von „es wird wohl das wechselhafte Wetter sein“ und „das ist typisch für dieses Alter“ bis hin zu „er ist halt ein Junge“ reichen dabei die angebotenen Erklärungen für dieses Verhalten vieler Kleinkinder (Inzidenz: 8 – 29% aller Säuglinge). An der unverkennbaren Art des Schreiens erkennt man jedoch bald, dass es sich nicht um bloßes Zornesgeschrei handelt, wie es natürlich auch gelegentlich vorkommt, sondern dass  das arme kleine Geschöpf tatsächlich unter großen Schmerzen leidet. Durch große Studien wurde gezeigt, dass Babys, die unter den typischen Dreimonatskoliken leiden, eine deutlich veränderte Darmflora aufweisen, offensichtlich die Ursache des Leidens.

Diese Kinder zeigen oft schon kurze Zeit nach der Geburt charakteristische Veränderungen der Zusammensetzung ihres Mikrobioms, die in Folge mit einer Häufung von Kolikattacken einhergehen. Am auffallendsten dabei war eine Verdoppelung in der Häufigkeit von Proteobakterien, also von Keimen, die ernste gesundheitliche Probleme verursachen können. Typische Vertreter dieser Gruppe sind Escherichia, Klebsiella, Serratia, Vibrio, Yersinia und Pseudomonas. Waren diese Keime überrepräsentiert, so zeigten sich zur selben Zeit die für ihre positiven Wirkungen bekannten Bifidobakterien und Lactobazillen zahlenmäßig deutlich reduziert (de Weerth et al. 2013). Letztere zeichnen sich dadurch aus, dass sie große Mengen an Butyrat und Lactat produzieren, also Stoffwechselprodukte, von denen man weiß, dass sie unverzichtbar sind für die Energieversorgung des Körpers sowie für die Aufrechterhaltung eines leicht sauren (pH = 6,0 – 6,5) und damit Krankheitskeime abwehrenden Milieus im Darmtrakt. Einige Vertreter von Escherichia & Co hingegen besitzen die Fähigkeit, Toxine zu produzieren, die sich als zum Teil hochwirksame Zellgifte im Körper ausbreiten und dementsprechende Folgen zeitigen – eben kolikartige Schmerzen.

Nun bilden sich die typischen frühkindlichen Darmkoliken meist nach einem Höhepunkt im dritten Monat („Dreimonatskoliken“) wieder langsam zurück und scheinen danach sogar ganz zu verschwinden. Diese Annahme wird durch eine neue, kürzlich durchgeführte Studie an einer größeren Zahl von Versuchspersonen (N = 891) in Frage gestellt, die einen überraschenden Zusammenhang entdeckte. Vermutungen, dass die frühen Koliken von Kindern in einem Zusammenhang mit einer späteren Anfälligkeit für Migräneattacken stehen könnten, gab es schon länger, aber erst der systematische Vergleich aller bislang verfügbaren Daten zeigte es deutlich: Je stärker jemand schon als Kind unter Koliken gelitten hat, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er oder sie später an Migräne erkranken wird (Gelfand et al. 2014). Dieses Ergebnis legt nahe, dass auch die Migräne als Form einer dysbiotischen Störung der Darmflora verstanden werden kann, die sich bereits früh als kindliche Kolik und dann erst Jahre später, nach einer unterschiedlich langen Latenzphase, mit migräneartigen Kopfschmerzen manifestiert.
Es kristallisiert sich somit ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Migräne und der Mikrobiota heraus. Während beim Kleinkind die Anwesenheit von Problemkeimen primär zu schmerzhaften Koliken als Abwehrreaktion des Körpers gegen die bakteriellen Toxine führt, verlagert sich beim Erwachsenen der Schwerpunkt der Beschwerden in Richtung Gehirn, dessen Funktion durch die latent erhöhte Konzentration an Toxinen beeinträchtigt wird.

Darüber hinaus benötigt ein voll funktionsfähiges Gehirn eine beachtliche Menge an Energie, die ihm vom Körper permanent zur Verfügung gestellt werden muss. Dabei spielen niedermolekulare Fettsäuren wie z.B. Butyrat, welches in erster Linie von Bakterien der Darmflora hergestellt wird, eine wichtige Rolle. Reduziert sich die Menge an kommensalen Bakterien im Darm, welche in der Lage sind Butyrat zu produzieren, so nimmt nicht nur die Energieproduktion ab und wir fühlen uns müde, sondern es schwächt dies zusätzlich die Aktivität der Gliazellen im Gehirn (Makrophagen), was wiederum zu einer Erhöhung der Toxinkonzentration führt (Erny et al. 2015).
Dieser enge funktionelle Zusammenhang von Dysbiose, Koliken, fehlender Energieproduktion und Migräne kann sich gegenseitig verstärken und führt dadurch nicht selten im Laufe der Jahre zu immer häufiger und zugleich heftiger werdenden Migräneattacken, typischerweise begleitet von einer Reihe von Verdauungsproblemen (siehe Hemert et al. 2014).

Mit dem heutigen Wissen zum Mikrobiom bieten sich nun zwei ganz unterschiedliche Therapieoptionen an. Bereits während der Schwangerschaft und sogleich nach der Geburt kann durch die tägliche Gabe von OMNi-BiOTiC® PANDA der Aufbau der kindlichen Darmflora positiv beeinflusst werden. Auch die immunologische Beeinflussung der Th1/Th2-Balance, wie sie für OMNi-BiOTiC® PANDA nachgewiesen wurde, könnte eine wesentliche Rolle für die Aktivierung und Reifung der Mikroglia des Gehirns spielen, die selbst ja zu den Zellen des endogenen Immunsystems des Gehirns zählen und nachgewiesenermaßen für die Phagozytose von Toxinen und Zellfragmenten verantwortlich sind. Die zweite Möglichkeit, in den Kreislauf der Migräne einzugreifen, bietet sich durch den Einsatz von OMNi-BiOTiC® MIGRAene bei der bereits manifesten Form. Dieses exakt selektionierte Multispezies-Probiotikum nimmt auf die Erkrankung in vielfacher Hinsicht Einfluss: zum einen durch die Verbesserung der Darmbarriere und damit einer Reduktion des Toxinaufkommens für Leber und Gehirn und zum zweiten durch die Vermehrung butyratbildender Bakterien, welche in der Lage sind, die Reifung und Aktivierung der Mikroglia positiv zu beeinflussen.

Klinische Studien sowohl zu OMNi-BiOTiC® PANDA (Hofmann 2015) sowie zu OMNi-BiOTiC® MIGRAene (de Roos et al. 2015) haben gezeigt, dass beide Präparate die Power haben, eine bereits bestehende bakterielle Dysbiose zu korrigieren und dadurch wirkungsvoll sowohl vor frühkindlichen Koliken zu schützen als auch die im späteren Alter auftretenden Migräneattacken zu reduzieren.

Literatur:
de Roos NM, Giezenaar CG, Rovers JM, et al. The effects of the multispecies probiotic mixture Ecologic®Barrier on migraine: results of an open-label pilot study. Benef Microbes 2015;6:641-6.
de Weerth C, Fuentes S, de Vos WM Crying in infants: on the possible role of intestinal microbiota in the development of colic. Gut Microbes 2013;4:416-21.
Erny D et al. Host microbiota constantly control maturation and function of microglia in the CNS. Nat Neurosci 2015;18:965-77.
Gelfand AA, Goadsby PJ, Allen IE The relationship between migraine and infant colic: a systematic review and meta-analysis. Cephalalgia 2015;35:63-72.
Van Hemert S et al. Migraine associated with gastrointestinal disorders: review of the literature and clinical implications. Frontiers in Neurology 2014;5:1-7.
Hofmann H Probiotikum gegen Verdauungsbeschwerden in der Schwangerschaft und Säuglingskoliken. Gyn-Aktiv 2015;5.